Geprüft am 01. Oktober 2026
Wie die Wasserqualität von Badegewässern bewertet wird
Welche Keime gemessen werden, was „ausgezeichnet“, „gut“ und „ausreichend“ bedeuten und warum die Einstufung vier Badesaisons zurückschaut.
Von Badesee Karte Redaktion · Prüfung: Automatischer Import, stichprobenhafte Prüfung
Zwei Keime entscheiden
Die EU-Badegewässerrichtlinie schreibt für die Einstufung zwei Messgrößen vor: Escherichia coli und intestinale Enterokokken. Beide stammen aus dem Darm und zeigen an, dass Abwasser oder Tierkot ins Wasser gelangt sein können. Gemessen wird in Kolonie bildenden Einheiten je 100 Milliliter.
Ihre Zahl sagt etwas über das Infektionsrisiko, etwa für Magen-Darm-Beschwerden. Blaualgen werden nicht in diese Klassen eingerechnet. Sie werden getrennt beobachtet, weil sie sich innerhalb weniger Tage entwickeln können.
Vier Klassen mit festen Grenzwerten
An Binnengewässern gilt für „ausgezeichnet“: höchstens 500 E. coli und 200 Enterokokken je 100 Milliliter. Für „gut“ liegen die Grenzen bei 1.000 und 400, für „ausreichend“ bei 900 und 330. Wer darüber liegt, gilt als „mangelhaft“. An Küsten und in Übergangsgewässern sind die Werte strenger.
Die Grenzen gelten nicht für jede einzelne Probe, sondern für ein Perzentil aller Messwerte: für „ausgezeichnet“ und „gut“ das 95., für „ausreichend“ das 90. Perzentil. Ein einzelner Ausreißer wirft einen See deshalb nicht in die schlechteste Klasse, viele hohe Werte aber schon.
Die Einstufung ist ein Rückblick
Ausgewertet werden die Messungen der letzten vier Badesaisons. Pro Saison sind in der Regel mindestens vier Proben nötig, die erste kurz vor Saisonbeginn, mit höchstens einem Monat Abstand. Die Klasse beschreibt also einen Zeitraum, nicht den heutigen Tag.
Wird ein See nach Starkregen oder bei einer Blaualgenblüte kurzfristig gesperrt, ändert das die Klasse nicht sofort. Entscheidend ist dann die Mitteilung des Gesundheitsamts und der Aushang an der Badestelle.
Was die Karte daraus macht
Für 2.294 Badestellen liegt eine amtliche Einstufung vor. Diese Karte fasst „ausgezeichnet“ und „gut“ zu „Gut“ zusammen: 2.260 Badestellen (98,5 Prozent) tragen diesen Wert, 28 sind „ausreichend“ und 6 „mangelhaft“. Bei 2.212 Badestellen stammt die Einstufung aus dem Bewertungsjahr 2025.
Das heißt nicht, dass jeder See gleich gut ist. Die Richtlinie sieht vor, dass nach fünf aufeinanderfolgenden Jahren mit „mangelhaft“ ein dauerhaftes Badeverbot oder eine Warnung vor dem Baden ausgesprochen wird. Das Bewertungsjahr steht bei jeder Angabe.
